Google Wallet für Web-Inhalte

Google präsentiert eine Bezahl-Möglichkeit für Content, die auf den ersten Blick sowohl einfach einsetzbar als auch sehr durchdacht scheint. Sogar eine „Geld-zurück-Garantie“ für die Benutzer gibt es. Was müssen SEOs jetzt beachten?

In einem Artikel auf finanzen.de hatte ich bereits beschrieben, wie Google einige seiner vielen Dienste nutzt, um auch im eCommerce kräftig mitzuverdienen. Vom Bezahldienst „Google Wallet“ gibt es jetzt eine Version speziell für Content. Mit diesem, derzeit nur in den USA verfügbaren, Service können Anbieter von Content einzelne Artikel für einen Preis zwischen 25 und 99 US-Cent anbieten. Bereits am Dienstag hatte 9to5Google vorab darüber berichtet, am Mittwoch gab es die offizielle Ankündigung von Google, die auch vom GoogleWatchBlog aufgegriffen wurde. Auch Golem berichtete.

Einbindung und einfache Nutzbarkeit

Der Betreiber muss dafür nur einen Code von Google einbauen, Details zum Code waren aber vorerst nicht zu finden. Dieser Code sorgt dafür, dass auf der Seite der obere Teil frei lesbar ist, ab einer bestimmten Stelle (die vom Betreiber frei definiert werden kann) aber ein Banner erscheint, der zum Bezahlen auffordert. Der Text unterhalb des Banners ist „grau übermalt“ und somit nicht lesbar. Auch im Quelltext ist der Text nicht auffindbar, so dass sich der Schutz nicht so einfach umgehen lässt. Hier ein Live-Beispiel. Selbst Bilder codiert das Google-Skript, wie sich hier sehen lässt.

ein Beispiel für die Google-Wallet-Einbindung, Quelle: content.dk.com/knitting

Einfaches Bezahlen und Geld-Zurück-Funktion

Der Kauf ist super einfach. Ist man bei Google eingeloggt (und bei Wallet registriert), dann erscheinen im Banner der eigene Google-Benutzername und der Bezahlen-Button sowie ein Hinweis auf die Geld-Zurück-Funktion. Ein einziger Klick auf den Kauf-Button genügt und die Inhalte werden geladen (es erscheint „your purchase is in progress“ und dann später „you own this content“, gefolgt von einem Link zu allen eigenen gekauften Inhalten).

Ist man noch nicht für Wallet registriert, so öffnet sich beim Klick auf den Kauf-Button ein Popup in dem man seine Kreditkarten-Daten eingeben muss. Auch deutsche User können diese Option nutzen. Dann noch kurz die „Terms & Conditions“ bestätigt und schon wird der Inhalt freigeschalten.

Ein besonderer Vorteil ist die Geld-Zurück-Funktion („Instant Refund“). Innerhalb von 30 Minuten nach Kauf kann ein User mit einem einzigen Klick seinen Kauf rückgängig machen. Der Inhalt wird wieder kodiert, man kann optional Gründe angeben. Schön ist auch, dass Google einen Counter anzeigt, wie lange man noch Zeit für den Refund hat.

die Geld-Erstattungs-Funktion von Google Wallet, Quelle: Google

Ich finde diese Möglichkeit deshalb so gut, weil sie die Akzeptanz von MicroPayments für Inhalte stärken wird. Wenn User wissen, dass sie gefahrlos in einen Artikel reinschnuppern können, dann werden wesentlich mehr User bereit sein, für einen Artikel zu bezahlen. Natürlich wird es ein paar Leute gaben, die versuchen sich kostenlos Inhalte zu erschleichen. Aber Google hat dieses Problem schon jetzt erkannt und angekündigt, man werde prüfen, ob bestimmte User besonders auffällig bei der Anzahl der Stornos werden.

Ranking von kodierten Inhalten

Interessant für SEOs ist natürlich, ob das Einsetzen von Wallet for Content Einfluss aufs Ranking hat. Die Aussagen von Google sind dazu etwas vage. In der Ankündigung heißt es „Google will rank your content based on what you give for free“, also basierend darauf, wieviel Anteil des Contents in der freien Vorschau verfügbar ist und an welcher Stelle der Bezahlbanner kommt. Das bedeutet, dass nur der „unkodierte“ Teil des Inhalts für das Ranking herangezogen ist. Themenrelevanz und Keyword sollten also im oben Teil des Textes gewährleistet sein, aber das ist ja bei SEO-Texten heute meist schon der Fall. Für redaktionelle Inhalte gibt es hier in Zukunft also noch eine weitere Anforderung.

Das deutet darauf hin (Mutmaßung), dass die Verschlüsselung des unteren Teils des Contents serverseitig erfolgt und somit selbst der Google-Bot nur den freien Teil des Contents crawlen kann.

Wie geht es weiter?

Ob der Service in der nächsten Zeit nach Deutschland kommt, darf bezweifelt werden. Zum einen sind die großen Content-Anbieter hier noch tief im 20. Jahrhundert verhaftet (Leistungsschutzrecht), zum anderen wird Google wohl erstmal die Dienste im Heimatmarkt komplett ausreifen lassen wollen. Der Nutzer Kai regte in den Kommentaren im GoogleWatchBlog bereits an, dass man jetzt den +1 Button zu einer Funktion ähnlich Flattr erweitern könnte, eine sehr gute Idee wie ich finde. Auch eine Verknüpfung von Verkaufserfolg eines Artikels und AuthorRank wäre interessant.

Wer sich als Content-Anbieter für das Programm bewerben möchte, kann das hier tun.

Update vom 11. März 2013:

Am 11. März teilte Google mit, dass das Programm Google Wallet for Content nicht weiter geführt wird.

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