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Nach und nach stellt Google+ die Profil-Seiten seiner User auf Vanity URLs um, also von kryptischen URLs à la https://plus.google.com/110502419633944425651 zu sprechenden URLs wie https://plus.google.com/+JörgErdmann . Bei der Umstellung gibt es natürlich eine automatische Weiterleitung von der alten URL, die noch an diversen Stellen im Netz verlinkt sein könnte, auf die neue URL. Doch überraschenderweise ohne Linkpower-Weitergabe.

Im Januar hatte ich hier berichtet, wir man mit einem Trick seine AdWords-Anzeigen um eine zusätzliche Zeile erweitern kann. Durch geschickte Manipulation des Namens des eigenen Google+ Profiles war dieses möglich. Viele Anzeigen-Kunden haben diese Methode genutzt. Google hat jetzt darauf reagiert und einige Änderungen bei den Google+ Erweiterungen seiner AdWords-Anzeigen vorgenommen.

Klickraten optimieren dank Google+

Wer mit SEA in hoch umkämpften Keyword-Bereichen arbeitet weiß, es kommt auf jeden Klick an. Gute Klickraten senken wahrnehmbar die CPCs. Seit einiger Zeit bietet Google AdWords die Möglichkeit, auch die eigene Google+ Seite in den Anzeigen erscheinen zu lassen. Meistens steht dann da „603 Personen geben +1 für oder folgen SEITENNAME“. Wie hier im Beispiel von zooplus für das Keyword „Pferdefutter“. Neben den Sternen (Bewertungen) und den Sitelinks ist die Google+ Verknüpfung eine weitere schöne Methode, die eigene Anzeige optisch größer erscheinen zu lassen. Man bekommt eine zusätzliche Zeile geschenkt, mehr Menschen nehmen die eigene Anzeige wahr, mehr Klicks. So weit, so standard.

In diesem Artikel beschreibe ich das neue Feature „Google Webmastertools Autorenstatistiken“ und dessen potentiellen Nutzen für Autoren und SEO-Webmaster.

Google forciert weiter das Thema Authorship und versucht so, den Einsatz des Author-Tag noch weiter zu etablieren. Ich habe heute eine Mail erhalten, in dem ich als „Urheber“ bei Google Authorship willkommen geheißen werde. Diese Mails werden laut Google nur einmalig verschickt, wahrscheinlich dann wenn man als eindeutige Person im System identifiziert wurde. Ob dafür eine bestimme Relevanzschwelle nötig ist, weiß ich derzeit nicht. In der Mail (siehe unten) wird ein aktuelles Beispiel (in diesem Fall mein letzter Blogbeitrag auf MuscleCat.com) gezeigt, wie die Autoreneinbindung in den SERPs aussieht.

Andre Weyher hat 5 Jahre bei Google gearbeitet, drei Jahre davon im Search Quality Team von Matt Cutts. Im Interview mit JamesNorquay.com erzählt er von seiner Zeit bei Google, über aktuelle SEO-Faktoren und sein neues Projekt zum Aufdecken von Webseiten-Netzwerken. Hier die wichtigsten Aussagen:

(Update vom 23.10. siehe unten)

Wie läuft die Spam-Beurteilung bei Google?

Bildquelle: Alexander Klaus / pixelio.de

Andre erklärt, dass jeder Spamfighter einen speziellen Themenbereich oder ein Marktsegment zugeteilt bekommt, dass er/sie überwacht. Das heißt, dass z. B. bei deutschen Versicherungs-Webseiten immer die gleichen Mitarbeiter verdächtige Seiten beurteilen und Penalties aussprechen werden. Wahrscheinlich landen dann auch Reconsideration Requests bei den gleichen Leuten. Das heißt für uns SEOs wirklich aufpassen, denn man kann nicht einfach viele Requests rausschickt und hofft, dass man mal bei irgendeinem Mitarbeiter durchkommt. Wahrscheinlich wird sich der Typ genau an Euch erinnern.

Außerdem erstellen die Spezialisten von Zeit zu Zeit auch Reports über das Spam-Niveau in ihrem jeweiligen Marktsegment. Damit kann das Quality Team dann wahrscheinlich priorisieren, in welchen Sektoren besonderer Handlungsbedarf besteht.

In seiner Zeit bei Google hat sich die Spam-Beurteilung einer Seite im Wesentlichen in 3 Bereiche gegliedert:

  1. OnPage-Spam (unsichtbarer Text, Keyword-Stuffing, etc.)
  2. Content-Qualität
  3. Backlinks

Wie werden Backlinks beurteilt?

Dazu gab es einige Details. Einerseits geht es natürlich um die Anzahl der Links, aber letztlich zählt die Qualität der Backlinks viel mehr als die Anzahl oder Linkpower. Gleich an zwei Stellen betont Andre „Relevance is the new PR“, also „Themenrelevanz ist der neue PageRank„. Neben der Themenrelevanz der verlinkenden Seiten ist auch deren Qualität wichtig. Hier berichtet er, dass Google verstehen möchte, ob eine Seite existiert, um eine gute Seite zu sein oder nur um Links zu erzeugen. Das zielt ganz klar auf Expired Domains, die ja als Linkpower-Hubs derzeit noch gut funktionieren.

Auch die Proportion zwischen „kommerziellen“ und „nicht-kommerziellen“ Anchor-Texten ist laut Andre wichtig. Das heißt auf gut Deutsch: In wieviel % der Anchortexte kommen Money-Keywords vor.

Hier also nichts Neues, sondern nochmal eine Bestätigung dessen, was Google schon eine ganze Weile sagt.

Ein paar konkrete Tipps zu den Backlinks gab es dann doch:

  • Alles, was man automatisiert oder mit großen Netzwerken tun kann, ist ein Risiko für Eure Seite.
    Das heißt Kommentarskripte, Expired Domain Linkpower Hubs, gekaufte Links, etc.
  • Backlinks müssen themenrelevant sein, um wirklich aufs Ranking einzuzahlen.
    (siehe oben)
  • Unterschätzt nicht Verzeichnisse und Kataloge.
    Diese wurden ja mehrfach totgesagt, doch ordentlich gepflegte Verzeichnisse sind immer noch eine gute Backlink-Quelle. Achtet auf einzigartige Beschreibungstexte.

Und auch OnPage Tipps:

  • Etwas verklausuliert sprach er über die Wichtigkeit, eine gute Domain zu wählen.
    Ich interpretiere das so, dass Keyword-Domains immer noch stark aufs Ranking einzahlen und – trotz des letzten Updates – das auch noch eine Weile tun werden.
  • Description, Title, H1/H2 und andere OnPage Faktoren werden oft vernachlässigt, weil sich alles auf die Linkgewinnung konzentriert.  Hier sollte man Energie investieren, wirklich gute Titel und Beschreibungen zu finden. Aber natürlich nicht übertreiben, wissen wir ja.
  • Übertreiben heißt z. B. „mehr als 2 kommerzielle Keywords im Titel“
    Das war mal eine ganz konkrete Aussage, die kann man gleich auf die OnPage-Checkliste übernehmen. Wahrscheinlich lässt sich dieser Ratschlag auch auf Description und H1 übertragen.

Dann gab es noch das Übliche zu hören über Qualität des Contents, man merkt dass er ein Padawan von Matt Cutts war.

Wie wichtig wird Social und Google+?

Sehr wichtig bis unverzichtbar. Die Suchergebnisse von Google werden noch deutlich lokaler werden (siehe OMCap Recap). Statt landesweit das gleiche Ergebnis anzuzeigen, werden je nach Region unterschiedliche Seiten ranken. Soziale Signale werden dabei ein wichtiger Rankingfaktor sein. Die Integration von Google Places in Google+ zeigt das ja schon deutlich.

Auch die Wichtigkeit von Google+ wurde nochmals betont, Google wird dieses Thema nach Andres Einschätzung nicht so schnell aufgeben. Ein Hinweis, dass es derzeit auch noch nicht so läuft wie erhofft, aber trotzdem viel Energie investiert wird. Zum AuthorRank sagte er aber nichts.

Netzwerke erkennen

Dann sprach Andre noch über sein neues Projekt netcomber.com. Dabei geht es darum, Netzwerke von Webseiten der gleichen Inhaber zu erkennen. Dazu werden verschiedenste Techniken genutzt, unter anderem identische Affili-Codes oder Hosting-Informationen. Aber selbst ähnlicher „Coding-Style“, also die Art und Weise wie programmiert wurde, wird für diese Beurteilung herangezogen. NetComber will diese Informationen für Webmaster öffentlich machen. So kann man potentielle Linknetzwerke erkennen.

Dieses Thema fand ich interessant, denn hier wird natürlich KnowHow einfliessen, was bei Google gewonnen wurde. Ganz klar sagt er „Search engines always used this data in their fight against spam, checking the quality of a network, or even taking down an entire (spammy) owner cluster.“. Das heißt, zu verstehen, wie NetComber Netzwerke identifiziert, kann auch dabei helfen, eigene Netzwerke zu schützen oder halt zu vermeiden, aus Versehen solche Netzwerke in der eigenen Backlinkstruktur zu haben. Je nach bevorzugtem SEO-Stil. 🙂

Weitere Infos

 

Ergänzung vom 23.10.2012

Ich habe in einem Artikel auf searchengineland.com, der auch über das Interview berichtet, einen Kommentar von Google zu den Aussagen von Andre Weyher entdeckt. Diesen möchte ich der Vollständigkeit halber hier mit aufnehmen:

He didn’t work on webspam engineering or algorithms at Google. Given that we saw several incorrect statements in even this quick interview, we’d recommend sticking to trustworthy sources for accurate info on how Google works.

Die Antwort darauf von Andre Weyher (gekürzt):

[…]
No one within Google knows the entire picture apart from maybe 1 engineer, 1 level under Larry Page.
[…]
By reviewing literally thousands of cases of what NOT to do, you learn what the limits are and from what exact point Google starts seeing something as spammy.
[…]
As far as elements like commercial keywords in titles are concerned, I don’t think anyone would doubt that Google doesn’t like on-page over optimization. You can give it another name but it comes down to the same thing: try to make your page only search engine focused is not something Google likes.
It’s hard for me to comment about any incorrect statements without Google describing which were incorrect.

2 Möglichkeiten: Entweder da war wirklich viel Blödsinn dabei (was ich nicht glaube) oder jemand bei Google ist sauer, dass Interna ausgeplaudert wurden.

Wir kann ein Autor das Ranking verbessern? Nachdem wir uns mit den technischen und konzeptionellen Vorbereitungen und dem Aufbau von Beziehungen beschäftigt haben, geht es hier um das, was ich für den „Linktausch der Zukunft“ halte: Der Austausch von Gastbeiträgen zur Steigerung der Relevanz von Autoren-Profilen. 

Im ersten Teil dieses Beitrages ging es vor allem um die strukturellen Vorbereitungen, die man jetzt ergreifen sollte, um schlagkräftige Autoren-Profile aufzubauen (Punkte 1 bis 4). Dieser Teil befasst sich mit der Interaktion des Autoren-Profils mit anderen auf Google+, die besonders wichtig für den AuthorRank ist (Punkte 5 bis 8).

Das Thema Author-Tag wird immer mehr diskutiert und es wird klar: wer in Zukunft erfolgreich SEO machen möchte, braucht starke Autoren-Profile. Auch wenn der Einfluss aufs Ranking noch gering ist, sollte man jetzt anfangen, Autoren-Profile aufzubauen.

Mike Arnesen hat es in seinem Artikel sehr treffend formuliert:

„How long do we have before we need to start worrying about building our own AuthorRank or working on it for our clients? Stop thinking like that. It doesn’t matter when it’s coming because once it does, it’ll be too late.“

Google+ bietet neuerdings ein nettes kleines Trust-Symbol für die Profile von Firmen, Marken und Promis an. Zwar sind die offiziellen Hürden recht hoch (mehr als 1.000 Follower), aber es scheint so, als könne man auch mit viel weniger Seiten-Fans die Markierung „Überprüfter Name“ bekommen.

Ende letzten Jahres führte Google+ eine besondere Markierung für Profile von Prominenten und Marken ein. Ein kleines Häkchen hinter dem Namen signalisiert, dass die Inhaberschaft des Profils von Google überprüft wurde und dass die hier schreibende – sagen wir mal – Lady Gaga auch wirklich Lady Gaga ist und nicht Lady Mit-diesem-Profil-und-den-Fans-kann-ich-über-bezahlte-Postings-ne-Menge-Kohle-machen. Auch beim Suchen nach Profilen im Suchschlitz erscheint das Häkchen hinter dem Namen der Profile. Ob es eine Bevorzugung der Darstellung solcher Profile in der Suche gibt, war nicht zu erkennen.

Im Ankündigungsvideo (von Ende 2011) heißt es, dass Google erstmal selbst auswählt, welche Profile sie verifizieren wollen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=2mqAXX8Vi2g

Beispiel für ein „Überprüfter Name“-Badge

Jetzt kann man die Überprüfung beantragen

Mittlerweile kann man eine Überprüfung des eigenen Profils beantragen und damit im Erfolgsfall die Markierung „überprüfter Name“ („Verification Badge“) erhalten. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein (Zitat Google):

1. Ihre Google+ Seite muss von Ihrem Unternehmen, Ihrer Organisation bzw. den Verantwortlichen für Ihre Marke oder Ihr Produkt autorisiert sein.
2. Das Profil Ihrer Google+ Seite muss einen Link zur Website Ihrer Organisation enthalten.
3. Die Website Ihrer Organisation muss durch Hinzufügen der Google+ Box oder eines Code-Snippets mit Ihrer Google+ Seite verknüpft sein.
4. Ihre Google+ Seite muss in den Kreisen von mehr als 1.000 Personen sein.

Hier der Link zum Formular, wo man das Badge beantragen kann:
http://support.google.com/plus/bin/request.py?contact_type=extended_verification

Zumindest bei Punkt 4 scheint es Google aber nicht so genau zu nehmen. Soweit öffentlich sichtbar, wurden die bereits mit einer solchen Markierung versehenen Google+ Seiten von Check24, FinanceScout24 und Transparo von deutlich weniger als 1.000 Usern gecircelt:

Check24: „in den Kreisen von 255 Anderen“ (289+)
FinanceScout24: „in den Kreisen von 113 Anderen“
Transparo: „in den Kreisen von 87 Anderen“

Punkt 3 ist ja fast schon ein erzwungener Link, aber dass Google es mit seinen Empfehlungen für Webmaster selber nicht so genau nimmt, ist ja auch nichts neues. 🙂

Ich werde das in den nächsten Wochen auch mal für eine Google+ Seite probieren und dann hier berichten. Wer weiß wo ich arbeite kann mich ja gerne bei diesem Experiment unterstützen, in dem er oder sie die Anzahl der Circler erhöht. 😉

Update vom Januar 2013: transparo hat mittlerweile 137 Circler, aber seinen Überprüft-Status scheinbar wieder verloren. Für unsere Seite mit 100 Circlern wurden bereits mehrere Anträge auf Überprüfung abgelehnt.